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Mobbing Motivationsanalyse

Analyse der Handlungsmotivationen der MobberInnen

Personen mobben typischerweise aus individuell-psychische Motivationen oder aus arbeitsorganisatorischen Gründen.

 

(Mobbingsituationen und -verläufe sind in der Praxis sehr divers und komplex. In der Folge kann daher nur von typischen Motivationen und typischen Reaktionsmöglichkeiten ausgegangen werden. In der Praxis wird die Analyse wohl eine Überlagerung von verschiedenen Mobbingmotivationen ergeben, was wiederum zum Erfordernis einer komplexen Strategie führt. Dennoch mag die folgende Typisierung für die Differenzierung der Mobbingrealitäten und für die Analyse der Interventionsmöglichkeiten sinnvoll erscheinen).

 

 

+++ individuell-psychische Motivationen

 

--- Defizit-Motivationen:

Überforderung, Angst, Unsicherheit, übermäßiger Konkurrenzdruck, unbewältigte Traumata, Unzufriedenheit, psychische Probleme, Rache für Erlittenes, Frustration,

-> AngreiferInnen fühlen sich als Angegriffene, die sich nur wehren, weil sie sich im Recht glauben.

---> dagegen hilft ev. Mediation, offenes Zugehen, Entgegenkommen, Solidarisierung, Unterstützung, Entschuldigung, Therapie, ev. Änderung der Arbeitsorganisation

 

--- Überfluss-Motivationen:

Unterforderung, Langeweile, Demotivation, Abenteuersuche, Gewohnheit, diskriminierende Einstellung, Sadismus, Ventilsuche, persönliche Aversion,

-> AngreiferInnen nutzen den Angriff als (ev. lustvolles) Ventil, es geht ihnen mehr um den Prozess und höchstens sekundär um die Erreichung eines Ziels (z.B. Jemanden loswerden, Position freimachen).

---> dagegen hilft ev. moralischer Appell, vorgelebte Normen, Machteingriff,

 

+++ betriebliche / arbeitsorganisatorische Handlungsmotivationen

(Typisierung nach Position der Mobbenden)

 

--- Gleichgestellte mobben wegen:

Konkurrenzdruck, defensiver Positionserhalt, präventive Positionsabsicherung oder offensiver Aufstiegswettkampf, Vertuschung/ Ablenkung von eigenen Fehlern, Beharren auf eigenen Interessen, Vermeidung eines Entgegenkommens/ Kompromisses,

-> AngreiferInnen sehen sich in einer Konkurrenzsituation, in der sie jedes Mittel anwenden.

---> dagegen helfen klare (hierarchisch vorgelebte) Spielregeln für die Erbringung und Honorierung von Leistung

 

Unterstellung von fremder Unfähigkeit, Mehrbelastung durch Unfähigkeit des/der Kolleg/en/in, laufende Irritationen (zB. unfreundliches Verhalten), Kooperationsschwierigkeiten, unklare Arbeitsteilung, Eingriffe in den eigenen Kompetenzbereich,

-> AngreiferInnen fühlen sich als Angegriffene, die die Defizite in der Arbeitsorganisation an einzelnen ev. Schwächeren festmachen und auslassen.

---> dagegen hilft Klärung und Neugestaltung der Arbeitsorganisation und Aufstellen von Verhaltensregeln

 

--- Vorgesetzte mobben typischerweise wegen:

Gehaltseinsparung, Abfertigungseinsparung, Management durch Angst, Umorganisation (etwa bei Firmenfusionen oder Auflösung von Abteilungen),

-> AngreiferInnen sehen MitarbeiterInnen als Kostenfaktoren und vollziehen kapitalistische Logik der Kostenminimierung = Gewinnmaximierung.

---> dagegen hilft Kostensteigerung durch diverse Verweigerungs- und Beharrungstaktiken (Krankenstände, Durchhalten, Dienst nach Vorschrift, Querulieren, sich zum Betriebsrat wählen lassen) mit dem Ziel, dass die Idee der Kosteneinsparung ad absurdum geführt wird.

 

Freimachen von bestimmten Schlüssel-Positionen,

-> AngreiferInnen wollen die eigene Seilschaft stärken und Platz für die eigenen Leute schaffen. Dabei sind die Angegriffenen im Weg.

---> dagegen hilft das Andocken an einer anderen Seilschaft, sich mächtige Verbündete und Protektion suchen,

 

Mehrbelastung durch Unfähigkeit von Untergebenen

-> AngreiferInnen fühlen sich als Angegriffene, die die Fehler der Untergebenen durch Mehrarbeit ausgleichen müssen.

---> dagegen hilft Stärkung und Schulung der Untergebenen, Anpassung der Arbeitsaufträge an das Kompetenzprofil der Untergebenen.

 

Untergebene mobben typischerweise wegen:

Diktatorischer Führungsstil, diskriminerende Einstellung, Übergriffigkeit, Unfairness, Unfreundlichkeit, chaotischer oder Laissez-faire-Führungsstil, Nichtwahrnehmen der Leitungsfunktion, Mehrbelastung durch Unfähigkeit des/der Vorgesetzten,

-> AngreiferInnen fühlen sich als Angegriffene, die unter den Einstellungen und dem Fehlverhalten des/der Vorgesetzten leiden.

---> dagegen hilft Klärung der Differenzen, Mediation, Schulung des/der Vorgesetzten, Aufstellen von Verhaltensregeln für respektvollen Umgang.

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WIP "work-in-process (wip) - migrantische Selbstorganisationen und Arbeit" ist die EntwicklungspartnerInnenschaft , die von der IG Kultur Österreich finanzverantwortlich und von MAIZ - Autonomes Integrationszentrum von & für Migrantinnen inhaltlich koordiniert und von BMWA und ESF im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative Equal gefördert wird.
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