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Mobbing Gegenstrategien

Zieldefinition und Strategieauswahl

Angesichts von Angriffen kann es verschiedene Ziele geben, die sich die Angegriffenen stecken können, um mit den Angriffen umzugehen. Je nach Zieldefinition ergeben sich unterschiedliche strategische Varianten.

 

(Wiederum sei darauf hingewiesen, dass es sich hier angesichts der Komplexität der Mobbingsituationen in der Praxis nur um eine grobe Typisierung handelt, die sich beiweitem nicht auf alle Mobbingfälle wird anwenden lassen).

 

--- Ziel 1:

Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes unter Rückkehr zu einer respektvollen Kooperation unter Bewältigung bisheriger Konflikte

 

Strategie 1.1:

Verhandlungen, Versachlichung des Konflikts, weg von der persönlichen Ebene, Bestimmung und Eingeständnis eigener Anteile am Konflikt, Einfordern von respektvollen Umgangsformen, innerbetriebliche SchiedsrichterInnen suchen, ev. allparteiliche Mediation zur Verhandlung hinzuziehen, ev. Veränderung der konfliktauslösenden Arbeitsorganisation anstreben, auch unter Aufgabe eigener Kompetenzbereiche, professionelle Gesprächsführung anwenden (Aktives Zuhören, Akzeptanz schaffen, Perspektivenwechsel der Konfliktparteien fördern, Verantwortung stärken), lösungs- und zukunftsorientiert verhandeln, nicht so sehr in der Vergangenheit wühlen, Interessen aller Beteiligten bei der Konfliktlösung wahren,

 

Strategie 1.0:

Ev. vor Strategie 1.1 notwendig: Erst mal in eine Verhandlungsposition kommen, Selbstbewusstsein und Handlungsfähigkeit wiedererlangen, sich aufbauen, Abstand gewinnen, Grübelzwang ablegen, Gedanken an MobberInnen bewusst verdrängen, sich innerlich befreien, Kränkungen soweit als möglich bewältigen, über sich selbst lachen können, nicht von allen geliebt werden wollen, die Auseinandersetzung als Spiel betrachten, Ausgleich in anderen Bereichen suchen (Privatleben, Sport, Hobbys, Engagement), Kraft tanken,

 

Strategie 1.0a:

Eigene Position aufbauen, sich Verbündete, Solidarität und Protektion suchen, durch Roll back-Taktik Dritte "neutralisieren", Mobbing dokumentieren und thematisieren, Familie und private Kontakte nicht überbelasten, sich professionelle Beratung suchen, Einbindung externer Instanzen (Vertrauenspersonen, Mobbingberatungsstellen, RechtsanwältInnen),

 

Strategie 1.0b:

Falls notwendig: Schwächung der Gegenpartei durch Gegenangriffe oder demonstrative Wehrhaftigkeit (Angriffe lächerlich machen, Dienst nach Vorschrift), um ihr die Verhandlungsoption schmackhaft zu machen, gezielte Plazierung des Mobbingvorwurfs, Vorhalt von Aufzeichnungen (Mobbingtagebuch (mit Datum, Uhrzeit, Beschreibung des Vorfalls, der handelnden Person(en), der ausgelösten Reaktion, der vom Vorfall informierten Personen) ev. in satirischer Form auf einer homepage), stufenweise Vorgesetzte informieren und unter Hinweis auf die Fürsorgepflicht des/der ArbeitgeberIn um Abhilfe ersuchen, ärztliche und therapeutische Atteste bringen, ev. Androhung rechtlicher Schritte,

 

 

--- Ziel 2:

Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes unter Duldung weiterer Angriffe.

 

Solange die Angegriffenen noch nicht über genügend Information über die Ursachen des Mobbinggeschehens verfügen, kann es ratsam erscheinen, sich auf weitere Angriffe einzustellen, ganz in dem Bewusstsein, dass noch keine Gegenreaktion erfolgen wird. Das Dulden der Angriffe empfiehlt sich jedoch keinesfalls als ein Warten auf bessere Zeiten. Im Gegenteil: Das Dulden ist gefährlich. Es kann nur eine vorübergehende taktische Maßnahme sein.

 

Strategie 2.1:

Angriffe nach Möglichkeit ignorieren. Den AngreiferInnen nicht aus dem Weg gehen. Mit Angriffen rechnen.

 

 

--- Ziel 3:

Ausstieg bei gleichzeitiger Ausschöpfung aller finanziellen Ansprüche. Rückzug/ Flucht und Neubeginn woanders, Neuorientierung.

 

Arbeitsrechtlich am besten ist Kündigung durch den/die DienstgeberIn oder der berechtigte vorzeitige Austritt aus dem Dienstverhältnis (weil der/die ArbeitgeberIn nachweisbar vom Mobbing informiert war und die Fürsorgepflicht verletzt hat). Diesfalls gebührt Abfertigung, Kündigungsentschädigung, aliquote Sonderzahlung und Urlaubsersatzleistungen.

 

Strategie 3.1:

Angriffe aussitzen, sich vorbereiten, Rechte und Pflichten als ArbeitnehmerIn studieren, Dienst nach Vorschrift machen, querulieren, sich keine Blöße geben, keinen Entlassungsgrund setzen, sich Deckung vom Betriebsrat holen, rechtliche Möglichkeiten des Betriebsrats ausschöpfen, den/die ArbeitgeberIn informieren und die Einhaltung der Fürsorgepflicht einfordern, sowie im Fall der Nichtreaktion unter Fristsetzung den Austritt anzukündigen,

 

Strategie 3.2:

Ersuchen um Versetzung im Betrieb unter Einbeziehung von Betriebsrat und Personalabteilung,

 

Strategie 3.3:

Investition aller Energien in die Suche eines neuen Jobs, dabei jedenfalls Ausharren, nicht kopflos kündigen, sich ev. krank schreiben lassen, um für Jobsuche Kraft zu sammeln, Jobwechsel ist leichter als Jobsuche als ArbeitsloseR.

 

 

--- Ziel 4:

Rache für erlittene Demütigung

 

Strategie 4.1:

Verstrickung in Kleinkrieg, Gegenmobbing (auch nach dem Ausstieg aus dem Betrieb),

 

Strategie 4.2:

Juristische Schritte (im Sinne jahrelanger Prozessführung, erfordert realistische Kosteneinschätzung, Rechtsschutzversicherung empfiehlt sich)

 

 

 

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