Mögliche Mobbinghandlungen in Anlehung an Wolmerath/Esser (2001)
1. Angriffe gegen die Arbeitsleistung und das Leistungsvermögen
Sabotage: Beschädigung, Diebstahl, Manipulation von Arbeitsmitteln
"Unterschlagung" von Arbeitsergebnissen (zB Unterlagen, Dateien sind "weg")
Manipulation von Arbeitsergebnissen (zB gezielt Fehler einfügen)
Erzeugen von Störungen (zB unsinnige Telefonate, Unterbrechungen)
Vorenthalten und/oder Fälschen von arbeitsrelevanten Informationen
Gezielte Unterdrückung von Informationen über Besprechungen, (End-) Terminen
irreführende Kommunikation, Versprechen, die absichtlich nicht eingehalten werden, Informationen, die die Arbeit erschweren oder die absichtlich nicht weitergegeben werden und irreführende und verwirrende Rückmeldungen über die Arbeit
Blockade von gemeinsamer Tätigkeit ("Mit dem nicht")
Verweigerung von Hilfe, Unterstützung, Rat (obwohl es möglich wäre)
Überraschendes Zurückziehen von verbindlich zugesagter Unterstützung
Geistiger Diebstahl, Aneignung von Arbeitsergebnissen
Ständige Entmutigung
Falsche oder kränkende Beurteilung von Arbeitseinsatz oder Arbeitsergebnissen
Entscheidungen oder Kompetenzen werden permanent angezweifelt
Dienst nach Vorschrift (zB gezieltes Nicht-Mitdenken, gezielte Unflexibilität)
Anweisungen werden wortwörtlich ausgeführt (offensichtliche Fehler einbezogen)
Anordnung von sinnlosen Tätigkeiten (zB ausgemusterte Ordner sortieren)
Anordnung, keine Tätigkeit während der Arbeitszeit auszuüben, Nichtzuweisung von Arbeitsaufgaben, jede Beschäftigung am Arbeitsplatz wird verhindert
Anordnung von systematisch überfordernden Tätigkeiten
Zuweisung von Arbeiten, die der Betroffene nicht mag oder die ihm nicht "liegen", die seine Qualifikation übersteigen, um ihn zu diskreditieren
Zuweisung von objektiv zu viel Arbeit ("Zuschütten")
Anordnung von ständig neuen Aufgaben
Anordnung von "kränkenden" Arbeitsaufgaben, die das Selbstbewusstsein verletzen
Willkürlich auf liegengebliebener Arbeit (zB wegen Urlaub, Betriebsratstätigkeit) sitzen lassen
Zuweisung eines ungünstig gelegenen Arbeitsplatzes (zB laut, Störungen, ungeschützt, exponiert)
Anordnung von systematisch unterfordernden Tätigkeiten, weit unter dem eigentlichen Können
Anordnungen so gestalten, dass unvermeidlich Fehler gemacht werden
Manipulierte Arbeitszuweisungen (zB nur unbeliebteste, schlechteste, schmutzigste)
Kappen üblicher Infomationskanäle (zB kein Telefon, kein Fax, keine E-Mail)
Beschneidung der Zuständigkeit (zB fachlich ungerecht, willkürlich)
Willkürlich erzeugter Zeitdruck
Überraschungsangriffe (zB plötzliche Änderung der Arbeitsaufträge, Termine)
2. Angriffe gegen den Bestand des Beschäftigungsverhältnisses
Behaupten von Fehlverhalten (zB Urlaubszettel "verschwindet")
Fehler und negative Vorfälle werden Betroffenen in die Schuhe geschoben
Willkürliche Abmachungen (dh die Gründe werden "an den Haaren" herbeigezogen)
Willkürliche Umsetzung und/oder Versetzung (sowie Versuche dazu)
Willkürliche Kündigung (dh die Gründe werden "an den Haaren" herbeigezogen)
Manipulation der Arbeitszeiterfassung
Strafbare Handlungen werden unterstellt (z.B. Diebesgut wird unterschoben)
Berufliche Qualifikation wird ständig in Frage gestellt
Willkürliches Zurückhalten des Entgelts (zB Urlaubsgeld, Spesen)
Absichtlich schlechte berufliche Beurteilung; Behauptung von Schlechtleistungen
Betrieblich übliche Beförderungen, angestrebte Position werden blockiert
Fort- und Weiterbildungsvorhaben werden gezielt behindert
3. Angriffe durch destruktive Kritik
Demütigende, unsachliche, überzogene, gnadenlose Kritik
Aufbauschen einzelner Vorfälle oder Fehler ("Maus zum Elefanten machen")
Generalisierung von Fehlern; pauschale Kritik (zB "Sie machen alles falsch!")
Kritik von Fehlern, die durch Anweisungen des Mobbers provoziert wurden
Ständige (harsche) Kritik, demgegenüber keinerlei Lob
Unterdrückung von Verbesserungsvorschlägen und ?bemühungen
Ausbremsen der Motivation (zB ?Das schaffen Sie nie!?)
4. Angriffe gegen die soziale Integration am Arbeitsplatz (Ausgrenzung, Isolation)
Mögliche BündnispartnerInnen, FreundInnen des/der Betroffenen werden versetzt
Einschränkung oder Unterdrückung von Meinungsäußerungen des/der Betroffenen (zB "Mund verbieten", ständiges Unterbrechen im Gespräch)
Gespräche hinter dem Rücken (zB Tuscheln, Tratschen)
Anspielungen, zweideutige Bemerkungen
Engagement des/der Betroffenen wird als getarnter Egoismus diffamiert
Mögliche BündnispartnerInnen, FreundInnen des/der Betroffenen werden eingeschüchtert
Ausschließen aus der Alltagskommunikation ("Wie Luft behandeln"), Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten oder durch Andeutungen, ohne dass etwas direkt angesprochen wird
Räumliche Isolation (zB abgelegener Arbeitsplatz)
Verweigerung und Unterbindung der Kommunikation, aktive und passive Isolierung
Ausschließen aus informellen/geselligen Treffen ("Tür-Zu-Methode")
Ausschließen aus üblichen gegenseitigen Freundlichkeiten im Kollegenkreis (zB Brötchen oder Süßigkeiten mitbringen, Kaffee kochen, Blumen gießen)
Demonstratives Schweigen im Beisein des Betroffenen
Ignorieren von Fragen, Gesprächswünschen, Hilfeersuchen, Kooperationsangeboten
Demonstrativ aus dem Weg gehen, nicht an einem Tisch sitzen, nicht in einem Raum aufhalten
5. Angriffe gegen das soziale Ansehen
Gezielte Verleumdung, Rufmord in der Öffentlichkeit, in Anwesenheit oder hinter dem Rücken des/der Betroffenen schlecht über jemanden sprechen
Gerüchte verbreiten oder gezielt weiterleiten, Verdächtigungen äußern
Dem/der Betroffenen wider besseres Wissen Böswilligkeit/Fahrlässigkeit unterstellen
Provokation, um die emotionale Reaktion des/der Mobbingbetroffenen ausszuschlachten
Beleidigung und Demütigung im Beisein Dritter
Verraten von persönlichen Informationen ("Geheimnisse an Dritte")
Lächerlich machen (zB verbal, mit Mimik, mit Gestik, durch Karikatur), sich lustig machen, sich verächtlich äußern (Aufhänger sind (ev. angedichtete) Eigenheiten der betroffenen Person je nach Vulnerabilität: körperliche Merkmale, Merkmale in Verbindung mit einer gesellschaftlich systematischen Diskriminierung, politische Einstellung, Privatleben). Angriffe beziehen sich - um effektiv zu werden - insb. auf Eigenheiten, die im sozialen Kontext nicht üblich/ normal sind.
In der betrieblichen Öffentlichkeit unglaubwürdig machen, blamieren, bloßstellen
Persönliche Schwächen werden publik gemacht
Unterstellung einer psychischen Erkrankung
Beschwerden durch Dritte werden erfunden (zB gefälschte Briefe, Anrufe, E-Mails)
(Fingierte) Schreiben von oder an Betroffene werden öffentlich gemacht
Gezielte negative Sonderbehandlung (dh. nur der/die Mobbingbetroffene wird so behandelt)
Demonstrative scheinbar positive Sonderbehandlung (zB Tot-Loben)
6. Angriffe gegen das Selbstwertgefühl
Demütigung, Erniedrigung, Blamage, Häme, Abwertung (verbal und/oder nonverbal), Beschimpfung, Verwendung entwürdigender Ausdrücke, "wortlose Kommunikation" Achselzucken, eine bestimmte Kopfhaltung, Gesten, das Sichabwenden, Geringschätzung, Verachtung
Unterdrückung durch verbale Dominanz (zB Anschreien, lautes Schimpfen)
Ruppige Redeweise mit dem Betroffenen
Menschliche Qualifikation ("Charakter") wird bestritten
Unterstellung böser Absichten, Dummheit, Unehrenhaftigkeit etc.
Verunsicherung, Kränkung, Beleidigung, Schmähung
Gezieltes Attackieren und Ausnutzen von persönlichen Unsicherheiten
Aufbauschen von Fehlern und Unzulänglichkeiten ("Herumreiten")
Gezielte Ungleichbehandlung (zB negative Sonderrolle, Ungerechtigkeiten)
Dauerkontrolle, übertriebene Kontrolle, berufliche Entmündigung
Reduzierung auf Objektstatus durch unaufgeforderte sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote, obszöne Beschimpfung
7. Angriffe durch Erzeugung von Angst, Schrecken und Ekel
Angst und Schrecken erzeugen (zB Einsperren des Betroffenen, Spinnen in den Schreibtisch legen, tote Tiere im Büro ablegen, elektrischen Kurzschluss herbeiführen)
Ekel erzeugen (zB Stinkbomben sowie verdorbene Lebensmittel werden im Büro versteckt)
Einschüchtern, Bedrohen, Nötigen (zB Drohen mit dem Arbeitsplatzverlust, Körperliche Gewaltandrohung)
Anordnung, zum Arzt zu gehen, um die psychische Gesundheit prüfen zu lassen
8. Angriffe gegen die Privatsphäre
(Nächtlicher) Telefonterror
Anrufe oder Besuche zur Kontrolle
Bedrängende Aufforderungen, aus dem Urlaub und/oder aus der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit zurück zu kommen
Schlechtmachen des/der Betroffenen bei Familienangehörigen, Freunden etc.
Familienangehörige ängstigen, angreifen, belästigen
Zuweisung schlechter Urlaubstermine
Kurzfristige Zurüknahme zugesagten Urlaubs- oder Freizeitausgleichs
Unterschlagung von Anträgen (zB wegen Urlaub, Bildung)
Ständiges Abwerten privater Vorlieben, Interessen und Tätigkeiten
Ständiges Abwerten religiöser, politischer, weltanschaulicher Überzeugungen
Sachbeschädigungen an privaten Gegenständen, Kleidung etc.
Angriffe auf die ökonomische Position, Kreditschädigung, Verursachung von privat zu tragenden Kosten
9. Angriffe gegen die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit
Offene körperliche Übergriffe, Gewaltanwendung, "Denkzettel" verpassen, körperliche Misshandlung
Zufügung von Verletzungen (ev. als Zufall oder Missgeschick getarnt)
Gezielte Anordnung von gesundheitsschädlichen Tätigkeiten
Sabotage von Sicherheitsmaßnahmen; Verschwinden lassen von Schutzmitteln
Sexuelle Belästigung
Heimliche Verabreichung von Medikamenten und/oder Suchtmitteln (zB Alkohol bei einem abstinenten Alkoholiker)
Ungenießbarmachung oder Verunreinigung von Lebensmitteln
Herbeiführen von gesundheitlichen Beeinträchtigungen (zB Zugluft, Kälte, Hitze, Lautstärke, Vibration, Tabakqualm, Sprays, Stinkbomben)
Ausnutzen von gesundheitlichen Handicaps und Krankheiten gegen Betroffene
Betroffene zum Suizid auffordern
10. Versagen von Hilfe
Ignorieren von Mobbingsituationen (zB Wegschauen, Weggehen)
Verharmlosen, Lächerlichmachen von Beschwerden
Vorwürfe, Schuldzuweisungen gegenüber dem Betroffenen
Dulden von Mobbingvorgängen
Unterlassene Hilfleisung
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